Weide ist grün, Blume ist rot / Yanagi Wa Midori Hana Wa Kurenai

 

Eine der tiefgründigsten Aussagen der buddhistischen Überlieferung lautet: "Die Dinge sind nicht das, was sie zu sein scheinen, noch sind sie etwas anderes." Ähnliches wird durch die Ausdrücke "So-Sein" oder "So-wie-es-ist-Sein"gesagt.

Weide ist grün: So-Sein; Bume ist rot: So-wie-es-ist-Sein. Wenn das alles ist, ist es vielleicht zu einfach. Die grüne Weide ist nicht, was sie zu sein scheint. Doch letztlich ist die grüne Weide nichts als eine grüne Weide.

 

Im 11. Jahrhundert lebte in China ein angesehener Dichter namens Sotoba. Er sagte: "Die Weide ist grün, die Blume ist rot; sie sind die wahren Meister ihrer selbst", und fügte hinzu: "Die Einfachheit ist die atemberaubende Wirklichkeit".

Um das wahre Grün, das wahre Rot zu durchschauen, muss man eine geistige Wandlung durch-machen, man muss durch die Verneinungsphase gehen: Weide ist nicht Weide, rot ist nicht rot. Dann kann man wahrhaftig das Grünsein der Weide schätzen und das glänzende Rotsein einer Blume.

 

Ein moderner Haiku Dichter aus Japan, Santoka (1882 - 1940) schrieb: "Die Menschen des Westens lieben es, Berge zu bezwingen; die Menschen Asiens lieben es, darüber nachzusinnen. Was mich anbetrifft, liebe ich es, die Berge zu kosten".

 

Von Kogetsu Roshi und Eido Roshi